Donnerstag, 12. Mai 2016

Kommentar: Bööööööööhmi!!!!!!!

Erst Böhmerman, dann Döpfner und jetzt 08/15-CDU-No-Name Detlef Seif. Während Ersterer immerhin noch die Leistung erbrachte, sich ein Gedicht selbständig auszudenken, hat Döpfner nicht mehr Kreativität (vielleicht ja auch Grips) an den Tag bringen können, als sich das Gedicht lediglich rechtlich eigen zu machen. Letzterer hatte immerhin noch genug Mumm das Gedicht für eine Rechtsbelehrung im Bundestag zu rezitieren.

Alle lieben Böhmi <3

Die massive, parteiübergreifende Unterstützung für Böhmermann ist schon bemerkenswert. Das verwundert dabei eigentlich nicht, da Böhmermann vor allem im linksliberalen Spektrum enorm beliebt ist und dort Rückhalt genießt. So schreibt beispielsweise Spiegel Online regelmäßig auf Facebook in peinlichster Weise von "Böhmi": Böhmi hier, Böhmi dort. Vielleicht ändert sich das, sobald die Social-Media Abteilung von Spiegel Online aus der Pubertät kommt.

Auf der anderen Seite unserer kruden Allianz gegen die Unfreiheit von Kunst & Satire haben wir die Rechten und die Konservativen, die wohl beide weniger in Verdacht stehen Böhmermann-Fans zu sein. Vom Autokraten Erdogan wollen sie sich dennoch nichts sagen lassen. Wäre ja auch ein Unding, wenn ein Türke in Deutschland Rechte besäße! Das wäre wahrscheinlich für viele der Anfang der Islamisierung des Abendlandes.

Böhmermanns Gedicht ist rassistisch

»Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden« lehrt uns Wikipedia. Satire setzt sich für den kleinen Mann ein, für die Unterdrückten und die Entrechteten. Das macht sie zur Kunst. Was allerdings daran Kunst ist, in einem simplen Reimschema einem Menschen Sodomie mit Ziegen vorzuwerfen, ist mir nicht ersichtlich. Prangert Böhmermann etwas an, wenn er sagt, der türkische Präsident rieche unten rum nach Döner? Was ist daran Satire, Erdogan einen unappetitlichen Intimbereich nachzusagen? Und kann eine Kontextualisierung das alles retten?

Überhaupt darf man davon ausgehen, dass Böhmermanns rassistische Anspielungen auf Stereotypen nur deshalb gesellschaftlich akzeptabel sind, weil es sich hier um einen Türken, obendrein noch um einen Autokraten handelt. Erdogan war schon vor dem Gedicht nicht gerade Liebling der Deutschen, spätestens seit der Aufstände im Gezi-Park. Funktioniert diese Art Satire dann auch bei anderen Staatsoberhäupten?

Wären Judenwitze über Netanjahu Satire?

Wäre es auch bei Benjamin Netanjahu, der Araber gerne mal als wilde Tiere bezeichnet, ausländische NGOs bekriegt und in Teilen seines Landes eine Art Apartheid Regime errichtet hat, Satire? Wäre das dann auch Satire, wenn man ein paar Reime auf »Brunnen vergiften« aus dem Ärmel schüttelt? Wäre ein Schmähgedicht mit dem Titel »Netanjahu – Kindermörder« noch durch die Kunstfreiheit geschützt, oder wäre das in unserer Gesellschaft doch blanker Antisemitismus? Oder nehmen wir Putin. Verteidigt die AfD noch die Freiheit der Satire, wenn man ein paar Homo-Witze über Putin im GEZ-finanziertem ZDF sendet? Und wie fände Die Linke das dann?

Ein anderes Beispiel: Ein Youtuber hat vor nicht allzu langer Zeit vorgeschlagen, man möge Weselsky und die GDL in ein Konzentrationslager schicken – natürlich als "Witz". Strafbar war es dennoch, obwohl es ja eigentlich Satire war. Der Aufschrei blieb seltsamerweise aus, alle fanden die Aktion geschmacklos. Aber Weselsky ist ja auch nur Ossi, kein Türke.

Ja, ja, ja. Das sind wahrscheinlich alles keine vergleichbaren Fälle. Man kann auch gern über das Böhmermann-Gedicht streiten. Ich bin mir da selber nicht sicher. Aber diese Anti-Antalya-Allianz ist dennoch äußerst befremdlich.

Übrigens: Auf dem Höhepunkt der Griechenlandkrise hat sich die Bild übrigens über sogenannte »Deutschen-Hetze« echauffiert. Hätten sich die Griechen stattdessen doch nur ein paar lustige Sodomie-Witze über Merkel und Schäuble ausgedacht...

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